Gesund füttern, gesund bleiben: 5 Grundsätze für die Ernährung von Reptilien

Foto: IVH/BNA-Hirt
Reptilien führen quasi ein Leben auf Sparflamme. „Im Vergleich zu Säugetieren haben Reptilien einen wesentlich langsameren Stoffwechsel“, berichtet Jonas Liebhauser vom Bundesverband für fachgerechten Natur-, Tier und Artenschutz e. V. in Hambrücken. „Deshalb können die Tiere schnell überfüttert werden, was zu Verfettung und damit verbundenen gesundheitlichen Schäden führen kann.“
Der Energiebedarf von Säugetieren und Reptilien unterscheidet sich deutlich – hauptsächlich aufgrund ihrer unterschiedlichen Regulation der Körperwärme. Die gleichwarmen Säugetiere regulieren ihre Körpertemperatur mithilfe des Stoffwechsels und verbrauchen dafür einen Großteil der mit der Nahrung aufgenommenen Energie. „Die wechselwarmen Reptilien nutzen hingegen fast ausschließlich die Umgebungstemperatur, beispielsweise beim Sonnen, um eine optimale Körpertemperatur zu erreichen“, erklärt Experte Liebhauser. Dadurch sparen sie viel Energie bzw. Nahrung. So benötigt eine etwa 30 Gramm schwere Maus bis zu fünf Gramm Futter am Tag, während ein junger Leopardgecko mit demselben Gewicht nur ein bis zwei Gramm Futter benötigt.
Grundsatz 1: Nicht zu viel und zu häufig füttern
„Da Reptilien im Terrarium immer die Möglichkeit haben, sich aufzuheizen, sind sie auch immer auf Betriebstemperatur, sprich in Fresslaune“, sagt Liebhauser. Das veranlasst unerfahrene Halter häufig dazu, zu viel und zu häufig zu füttern. Des Weiteren halten viele Reptilien in der Natur eine Sommer- bzw. Winterruhe ab. In diesen Ruheperioden nehmen die Tiere keine Nahrung zu sich und zehren von ihren Fettreserven. In der Heimtierhaltung wird oftmals auf die Simulation solcher Ruhephasen verzichtet. „Zu viel Futter und fehlende Ruhephasen führen dann zwangsläufig zur Verfettung, die schwerwiegende Schäden zur Folge haben kann“, warnt Liebhauser.
Grundsatz 2: Mehr pflanzliche Nahrung geben
Die richtige Auswahl des Futters spielt dem Experten zufolge eine wichtige Rolle. Gerade pflanzenfressende Arten, wie beispielsweise Europäische Landschildkröten oder Grüne Leguane, sind darauf spezialisiert, energiearme Nahrung wie Kräuter und Blätter bestmöglich zu verwerten. Regelmäßige Leckerbissen wie Obst oder tierische Produkte schaden daher der Gesundheit.
Bei sogenannten Allesfressern – hierzu zählen viele Arten von Wasserschildkröten sowie die Bartagame – kann der Energiegehalt der Nahrung durch mehr pflanzliche Futteranteile gesenkt werden. So reicht es beispielsweise aus, wenn eine erwachsene Wasserschildkröte nur jeden dritten Tag tierische Nahrung erhält. Die Futtermenge sollte dabei nicht größer als der Kopf des Tieres sein. Auch bei Schlangen sollte darauf geachtet werden, dass sie nicht zu viel Futter erhalten.
Grundsatz 3: Fettarme Futterinsekten auswählen
Viele häufig gehaltene Echsenarten wie der Leopardgecko sind spezialisierte Insektenfresser. „Gerade bei ihrer Ernährung sind einige wichtige Punkte zu beachten“, sagt Liebhauser. „Die im Handel erhältlichen Futterinsekten sind teilweise als Larvenstadien erhältlich, beispielsweise Mehlwürmer oder Zophobas. Da Larvenstadien in der Regel sehr fettreich sind, sind sie für Reptilien nur bedingt geeignet.“ Futtertiere wie Heimchen, Grillen, Heuschrecken oder Schaben eignen sich wesentlich besser.
Es sollte jedoch auch hier darauf geachtet werden, die Terrarientiere nicht zu überfüttern. Während Jungtiere mitunter noch täglich Futter benötigen, sind für ausgewachsene Tiere zwei Fütterungen pro Woche zumeist vollkommen ausreichend. „Auch wenn es aus menschlicher Sicht herzlos erscheinen mag, so wenig zu füttern, ist es für die Gesunderhaltung der Tiere notwendig“, betont Liebhauser. Ein Kompromiss könne sein, kleinere und dafür mehr Futtertiere anzubieten – beispielsweise mittlere anstatt großer Heimchen.
Grundsatz 4: Sinnvoll supplementieren
Futterinsekten, aber auch viele pflanzliche Futtermittel beinhalten zu wenig Kalzium bzw. haben ein ungünstiges Kalzium-Phosphor-Verhältnis. „In beiden Fällen kann es beim Tier zu einem Kalzium-Mangel mit schwerwiegenden Folgen für den Skelettaufbau kommen – beispielsweise durch weiche und deformierbare Knochen“, warnt Liebhauser. Der Fachhandel bietet deshalb verschiedene Vitamin- und Nährstoffpräparate, mit denen Futtertiere bestäubt werden können.
Grundsatz 5: Reptilien getrennt füttern
Viele Terrarientiere sind Einzelgänger, sodass Probleme wie Futterneid und daraus resultierende Beißereien häufig von vornherein vermeidbar sind. Hält man doch mehrere Exemplare zusammen, kann es notwendig sein, die Tiere an getrennten Stellen im Terrarium zu füttern oder zu dominante Tiere in einer Faunabox oder Ähnlichem zu füttern. Zudem ist darauf zu achten, dass jedes Tier genügend Futter abbekommt. „Vor allem Terraristik-Einsteigern kann es anfänglich schwerfallen, entsprechende Signale richtig zu deuten“, berichtet Liebhauser und empfiehlt deshalb für den Einstieg eine Einzelhaltung. BNA/IVH